Faktenlage: Als diese Seite vor fast vier Jahren begonnen hat, in Sachen Verkehr zu informieren und Druck zu machen, ist das Thema nicht mehr vom Tisch zu bringen. Irgendwann wurde uns Ötzerinnen und Ötzern daher auch ein "Masterplan" zur Lösung der Verkehrsmisere versprochen. Dieser soll in rund einem halben Jahr präsentiert werden. Doch hält der auch, was er verspricht oder wird uns nur erneut wieder etwas vorgegaukelt? Ein Erfahrungsbericht und kritischer Ausblick von Alexander Wolf.


Wird beim "Masterplan" mit offenen Karten gespielt?


Mein Name ist Alexander Wolf, ich bin Ötzer und das Thema Verkehr beschäftigt und ängstigt mich seit Langem gleichermaßen. Deshalb habe ich mich auch in der Vergangenheit zu Wort gemeldet (etwa hier oder hier nachzulesen) und angeboten, mich im Verkehrsausschuss der Gemeinde Ötz konstruktiv einbringen zu wollen. Die Einladung dazu war vielversprechend und so habe ich mich auch voller Engagement in diese Aufgabe gestürzt. Jetzt, gute drei Jahre später, bin ich ernüchtert. Sehr ernüchtert. Aber der Reihe nach:

 

Seit der Einladung vor drei Jahren hat es nur eine einzige Sitzung gegeben. Dabei konnte ich anhand von Zahlen und Fakten über den Verkehr in unserer Heimatgemeinde informieren. Außerdem habe ich bei dieser Zusammenkunft angeregt, eine Luftgütemessstelle aufzustellen und uns von einem unabhängigen Verkehrsplanungsbüro beraten zu lassen. Seitdem habe ich kein Wort mehr vernommen. Mails mit der Frage, ob es nicht wieder einmal eine Sitzung geben würde, blieben unbeantwortet. Einzig der Presse konnte ich entnehmen, dass Bürgermeister Falkner hinter den Kulissen einen "Masterplan" eingefädelt hatte.

 

Wie es dann weiter ging? In der Gemeinderatssitzung vom 6. Feber 2019 informierte Bgm. Falkner darüber, dass im Rahmen der Mobilitätsstrategie ("Masterplan") ein gewisser "Andreas Knapp, ein ehemaliger Mitarbeiter des VVT ab März 2019 angestellt wird, um sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen zu können".

 

Aus dem Protokoll:

 

 

Als Finanziers der Mobilitätsstrategie treten also neben den Gemeinden auch der TVB und die Bergbahnen auf.

 

Hat das Auswirkungen, wenn der TVB und die Bergbahnen die Finanziers sind?

Natürlich hat dies Auswirkungen, wie sich jeder vorstellen kann: Dies deutet nämlich bereits darauf hin, dass es sich die beiden Institutionen so richten werden, wie sie es brauchen. Es ist ja kein Geheimnis, dass bezahlte, private Studien stets jenes Ergebnis erbringen, das sich die Auftraggeber wünschen. Daher könnte es auch diesmal gut sein, dass wir Einheimischen einmal mehr das Nachsehen haben werden. Vielleicht? Nein, sicher sogar.

 

 

Andreas Knapp, hier im Bild mit dem Obergurgler Touristiker Lukas Scheiber (r.), soll laut Bgm. Falkner und Presse die Mobilitätsstrategie erarbeiten. Der Linke, dessen Qualifikation laut Bgm. Falkner darin besteht, ein "ehemaliger Mitarbeiter des VVT" zu sein, wird sein Amt nach neuesten Informationen (Tiroler Tageszeitung) allerdings nicht Anfang, sondern erst Mitte März 2019 antreten.

 

Foto: Polak Mediaservice

 

Weil es sich die Großen wohl wieder einmal richten werden, genau so, wie sie es brauchen, wird Hr. Knapp wohl nur dafür benötigt, uns Einheimischen zu erklären, warum wir weiter leiden und uns in Zukunft sogar noch mehr kasteien sollen.

 

* Erzwungenes, tageweises Fernhalten von den eigenen Verkehrsflächen (wie durch eine samstägige Sperre des Recyclinghofes)

 

* Ewiges Warten, bis man endlich einmal in die eigene Hauptstraße einbiegen oder diese queren kann

 

* Wohnen, Leben und Arbeiten in Lärm- und Luftsanierungsgebieten

 

* Umwidmungen von Wohn- in Gewerbegebiet, damit aufgrund des Verkehrslärms doch gebaut werden kann (Siedlungsgebiet Moos)

 

* Zuschauen, wie es sich Mal für Mal staut und der stinkende Blechwurm das Dorf entzwei reißt

 

Das alles ist also noch zu wenig. Wichtiger ist etwa, dass die Gurgler Bergbahnen an jenen wenigen Samstagen, an denen es sich nicht stauen würde, ihre Lifttickets zum Schnäppchenpreis verschleudern können. Damit es sich dann auch an diesen Tagen staut. Und die Einheimischen trotzdem ein schlechtes Gewissen haben. Das wird die Quintessenz dieses Masterplans sein.

 

Wieso man dies sagen kann? Man kann dies deshalb sagen, weil sich TVB-Boss Oliver Schwarz im Eifer des Gefechts "verredet" hat. Er hat das Ergebnis der Studie verraten, noch ehe Knapp die Arbeit aufgenommen hat! So verkündete er bereits Mitte Feber, also sechs Wochen vor (!) Knapps Amtsantritt, was die finale Erkenntnis sein wird. Selbst wenn er erst "die Grunlagen erheben", "noch Ursachenforschung machen" und "nicht zu viel vorwegnehmen" wollte: Eines sei jedenfalls sicher, so Schwarz – schuld sei der "sehr viel hausgemachte Verkehr"!

 

Schuld sind also sicher nicht die Touristen, für die der TVB Ötztal nicht einmal ansatz- oder versuchsweise eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln angeboten hat (etwa "Klimafreundlich von der eigenen Haus- bis zu Hoteltür"). Auch nicht die Tagestouristen, die nach wir vor für billige Lifttickets mit dem eigenen Auto durchs gesamte Tal dröhnen, weil bis dato nicht einmal ansatzweise eine Kooperation mit dem VVT zustande gebracht wurde (etwa "Liftticket nur mit Öffi-Anreise"). Nein, schuld sind natürlich die Einheimischen! Weil sie zur Arbeit fahren. Weil sie einkaufen müssen. Weil sie in ihrer Freizeit vor dem Horror fliehen. Deshalb sind sie schuld. Sie stehen hinderlich zwischen der "Ist-Situation" und der "gewünschten Soll-Situation".

 

TVB-Direktor Schwarz im Originalton Aufnahme von Anfang Feber 2019, Saal "E(t)z", sechs Wochen vor Knapps Amtsantritt:

 

Auch wenn das Ergebnis der Studie somit eineinhalb Monate vor Knapps Amtsantritt feststeht, nämlich die Schuld der Einheimischen, sieht Schwarz im Verkehr wenigstens ein "Riesenthema" und er sei "ganz beim Hansjörg". Der angesprochene Bürgermeister hatte allerdings in der jüngst ausgestrahlten ORF-Sendung "Thema" vor laufender Kamera noch gemeint hat, wir hätten in Ötz "mit Sicherheit kein Verkehrsproblem". Nachsatz: "Wir nehmen aber viel Geld in die Hand um das Problem zu lösen". Abgesehen von diesen drei total widersprüchen Aussagen bleiben drei abschließende Fragen:

 

1.) Schaut so ein ehrliches Spiel mit offenen Karten aus?

 

2.) Ist dies eine Vorgangsweise, die sich die Ötztalerinnen und Ötztaler verdient haben?

 

3.) Ist das jetzt bereits das Ergebnis des groß angekündigten „Masterplans“, der hinter verschlossenen Türen entwickelt wurde und von dem die Quintessenz offensichtlich bereits von Anfang an feststand? 

 

(alwo, 13.03.2019)