Wie der Gemeindebote arbeitet


Das zwölfköpfige Team des Gemeindeboten 2012. Illustration: Gemeindebote
Das zwölfköpfige Team des Gemeindeboten 2012. Illustration: Gemeindebote

Unser Gemeindebote ist eine harmlose Gemeindezeitung, die für jeden und alles da ist. Denkste! In Wirklichkeit geht es hinter der engelsgleichen Fassade um ganz andere Sachen!

 

Hier ein Blick hinter die Kulissen und eine Doku- mentation, wie wir von den Machern verarscht werden. Liest man dies, so stellt man fest, Diktaturen, die gibt es nicht nur anderswo.

 

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert

 

Vor einigen Jahren hat die derzeitige Gemeindeführung dazu aufgerufen, sich Gedanken  zu machen. Grundsätzlich wäre das ja gut. Darum hat der Autor dieser Zeilen das damals auch getan.  

 

Thema der Übung war: Wie könnte man die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde verbessern?

 

An Ideen mangelte es nicht: Man könnte den Gemeindeboten mehrmals jährlich erscheinen lassen, ihn damit aktueller machen, man könnte ein politisch unabhängiges Redaktionsteam installieren, öfter gut recherchierte Geschichten mit Tiefgang bringen, Pro- und Contra-Themen erarbeiten, die Gemeindebürgerinnen und Bürger vermehrt zu Wort kommen lassen usw. - Das Ganze hätte in etwa so ausgesehen wie in Haiming, wo das Dorfblattl einen Relaunch erfahren hatte. Um es kurz zu machen: ich bot, wie mein damaliger Partner Martin Muigg-Spörr in Haiming auch, der Gemeinde Ötz meine kostenlose Mitarbeit an.

 

Im Gegensatz zur Inntalgemeinde, wo diese Ideen postwendend in die Tat umgesetzt wurden, meinte bei uns zwar der Bürgermeister zunächst auch in beinahe überschlagender Euphorie, "Danke für deine überaus konstruktiven Gedanken, das hört sich ja super an. Wenn`s nach mir geht, sofort (!), ich muss mich nur noch kurz mit jemanden besprechen. Dann hörst du von mir". Eine Woche später - Hansjörg  Falkner hatte sich von Mr. X sagen lassen, was er mir sagen sollte - ließ er mich wissen: "Na, lieber doch nicht". Begründung: "Weil, wichtig sind die Gäste!". Bumm.

 

Fadenscheinige Ausrede

 

"Gäste!". - Da muss man sich wirklich jeden Buchstaben einzeln auf der Zunge zergehen lassen: G-Ä-S-T-E. Wir machen den "OETZER Boten" also nicht für "O-E-T-Z". So, wie es der Name eigentlich vermuten lassen würde. Nein! Wir machen ihn für die GÄSTE.   

 

Vielleicht ist aber gerade dieser Umstand ein Mosaikstein in der Erklärungskette, wieso die Anzahl der Gästebetten in Ötz auf beinahe die Hälfte des seinerzeitigen Höchststandes gesunken ist! Die Gäste lesen den schwindligen Gemeindeboten, nehmen den Namen für bare Münze und sagen sich: Asphaltierungsarbeiten, Kanalverlegungen, - all das soll die Botschaft unseres möglichen Urlaubsortes sein? Na, danke, da vertrauen wir doch lieber der richtigen Werbung, die uns Sonne, Tiefschnee oder weiß Gott was verspricht.

 

Schnell wurde klar, warum

 

Es war dann ungefähr um dieselbe Zeit, als freilich schnell klar werden sollte, warum die Antwort des aktuellen Bürgermeisters so fadenscheinig ausgefallen ist. Der Autor dieser Zeilen hat damals nämlich auch seine Meinung zu einem aktuellen Thema eingereicht und gebeten, sie als Diskussionsbeitrag im Gemeindeboten abzudrucken.

 

Es ging damals um die überaus fragwürdige Idee der Gemeindeführung, man könne doch im Haidach einen Fußball-Kunstrasenplatz errichten! Eine, meiner Meinung nach ebenso sauteurer wie widersinniger Gedanke, der nahtlos an die Geschehnisse rund um den den Skaterplatzes anschloss (hier nachzulesen). Gleichzeitig war sie die Vorläuferin der ebenso sinnlosen aktuellen Kunsteisanlagen-Phantasiererei (hier nachzulesen).

 

Wie auch immer, jedenfalls meinte ich damals, die Idee mit einem Kunstrasenplatz, das könne es dann doch wohl nicht sein. Außerdem war ich der Meinung, der "Gemeindebote" wäre ein Medium von und für jede(n) aus der "OETZER" Gemeinde. Weil: Er wird ja auch mit unserem Steuergeld finanziert!

 

Um es kurz zu machen: Ich fragte beim Gemeindebotenteam an, ob meine Gedanken abgedruckt werden könnten. Es kam ein "Ja" und so vereinbarten wir eine fixe Artikellänge, die ich auf der mir zugesandten Vorlage auch auf Punkt und Beistrich einhielt.

 

Und jetzt die Rätselfrage mit zwei Antwortmöglichkeiten:

a) Ist der Artikel so erschienen wie er eingereicht wurde? - Oder,
b) in stark gekürzter und überaus sinnveränderter Weise?

 

Hier der Artikel, wie er erschienen ist (zum Vergrößern klicken):

 

 

 

Auch bei intensiver Suche findet sich in dem grün hinterlegten Artikel kein einziges Mal mehr das Wort "Kunstrasenplatz". Mein Text wurde also total verändert abgedruckt - und zwar ohne ein einziges Mal Rückspache gehalten zu haben! Das Erschienene glich somit nur mehr einem Wischiwaschi ohne Inhalt.

 

Um ihre Hinterlistigkeit zu vertuschen, scheuten die Hintermänner der Gemeindeboten- crew damals selbst davor nicht zurück, den Zeilenabstand zu ändern. Sie meinten, dass damit die "Kürzung" nicht allzusehr auffallen würde. Wenn man allerdings die Hintergründe weiß, erkennt man den Schwindel leicht. Dazu braucht man auf dem obigen Bild lediglich die rechten Zeilen mit den linken vergleicht. Dann sieht man, dass der Zeilenabstand nicht passt und wie hier auf unterstem Niveau intrigiert wurde.

 

Ist das Ganze an und für sich bereits eine demokratischer Nullnummer sondergleichen, kommt es anschließend aber sogar noch "besser":

 

 

 

 

Ein paar Seiten weiter hinten wird mein ohnehin bereits total veränderter Beitrag nämlich auch noch einmal unter der Rubrik "Falke" in dem mit Steuermitteln finanzierten Blatt niedergebügelt! Also quasi "richtig gestellt"! Wird mir darin dezidiert mitgeteilt, wie und was er eigentlich zu denken habe. Gefälligscht! Weil, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach eine eigene Meinung hätte?! Also, bitte. Sag: leben wir hier etwa gar in einer Demokratie? Oder wie? Oder was?

 

Der "Falke"-Artikel hat - wie man oben sehen kann - den normalen Zeilenabstand. Die rechten und linken Zeilen befinden sich jeweils auf gleicher Höhe. Genau so lang wie der blaue Artikel war ursprünglich also auch mein Text gewesen. Auf das Wort genau gleich lang!

 

Nach der Gemeindeboten-Verarschung habe ich damals das Gespräch mit unserem aktuellen Bürgermeister gesucht. Er hat mir in diesem kalt händeschwitzend gestanden, dass dieser "Falke"-Artikel nicht von ihm geschrieben worden sei. Und dies, obwohl sein Kürzel (HF) dabei stand. Für mich freilich eine wenig überraschende Erkenntnis. Glichen doch einige Sätze des "Falke"-Artikels wortwörtlich jenen von Altbürgermeister Grießer, der sich wenige Jahre zuvor ebenfalls zu einem Fußballthema ablehnend geäußert hatte.

 

 

Fassen wir zusammen:

a) Die Gemeindebotencrew sagt das Erscheinen meines Artikel zu

b) Nach Erhalt verändern einzelne oder mehrere im Hintergrund den eingereichten Beitrag hintertückisch nach ihrem Gutdünken. Der Rest der Crew erfährt davon wahrscheinlich gar nichts

c) Der Beitrag wird ohne Rückfrage unter meinem Namen abgedruckt, obwohl er nur mehr wenig mit dem ursprünglich eingereichten Artikel zu tun hat

d) In derselben Ausgabe des Gemeindeboten wird selbst dieser veränderte Beitrag noch einmal "niedergebügelt"

e) Namentlich gekennzeichnet ist dieser "Falke"-Artikel mit den Initialien (HF). HF - wie Hansjörg Falkner

f) "Falke" gibt zu, dass er nicht der "Falke" ist, sondern ein Ghostwriter seine Sachen schreibt.



 

Bisher hat das Sujet für die "Falke"-Artikel so ausgesehen. Es sollte Kraft, Souveränität und Überblick ausstrahlen:



 

 

Der Realität entsprechend sollte künftig besser dieses Bild für die (HF)-"Falke"-Fake-Artikel verwendet werden:

 

 


 

 

PS. Somit war klar, warum die Macher damals keine Änderung beim Gemeindeboten haben wollten! Weil sie ihn gerne als Machtinstrument missbrauchen, können sie keinen in ihren Reihen brauchen, der ihnen auf die Finger schaut. Derart können sich nach wie vor gewisse Herren im Hintergrund "schriftstellerisch" austoben - natürlich nur für die "GÄSTE"!

 

Verarschung pur

 

Wenn man dies nun alles weiß, muten abschließend die folgenden Zeilen von Johannes Tollinger geradezu wie ein Hohn an. Ein Ötzer, der wie bisher vielleicht gerade einmal 20 andere wusste, was sich hinter der engelsgleichen Fassade des Gemeindeboten abspielt, hat heuer an Redaktionsleiter Tollinger geschrieben und extra darauf verwiesen, dass bei seinem Text keine Änderungen erlaubt seien. Die Antwort von Tollinger ist zum Zerkugeln:

 

 

 

 

- "Bei größeren notwendigen Änderungen werden die VerfasserInnen der Texte selbstverständlich kontaktiert - dies gilt für alle!" -

 

 

Ist diese Aussage angesichts der Vorgeschichte nicht "sensationell"?

 

- Sind derartige Worte nicht die Krönung? Schlägt das eigentlich nicht dem Fass den Boden aus? Müssten sich unsere Gemeindebotenverantwortlichen eigentlich nicht statt "Starkes Team" den Spruch "Starkes Stück!" auf die Fahnen heften?

 

Wie dem auch immer sei, jedenfalls kann sich nun jede Ötzerin und jeder Ötzer selbst ein Bild von der Sache machen. Nun kennen alle auch die dunkle Seite unserer Glanz & Gloria-Weihnachtszeitung. Sie ist damit bestens dokumentiert. Es war mir ein Bedürfnis. Für die Gerechtigkeit in diesem Ort!

 

Bernhard Stecher

PSS. Der Kunstrasenplatz wurde nicht gebaut ...


(03.12.2015)