L-etz-tlich. Das Allerletzte!


Wie kurios es ausgehen kann, wenn sich der Ötzer Gemeinderat hinter der Meinung seines Raumplaners versteckt und dieser verzweifelt nach einem Argument gegen ein Projekt sucht, zeigt diese Geschichte. Zugegeben: Sie klingt unglaublich und wenig nach dem 21. Jahrhundert aber sie ist wahr! 

 

Alles in Ordnung mit der Oetzer Raumordnung?

 

Der Autor dieser Zeilen hat im Jahr 2013 zusammen mit einem anderen Unternehmer sowie einer Privatperson (=Grundbesitzer) bei der Gemeinde angefragt, ob auf einer Wiese in Schlatt die Errichtung einer Photovoltaikanlage möglich sei. Das Ganze wäre ohne fixe Verankerungen, also mit Schraubfundamenten, geplant gewesen, sodass man die Anlage zur Erzeugung von regenerativen Energie in, sagen wir, 25 Jahren wieder hätte abbauen können und alles wäre wie vorher gewesen. Wiese wäre Wiese geblieben und während der zweieinhalb  Jahrzehnte hätten friedlich die Schafe zwischen den PV-Modulen grasen können.

 

Der Antrag wurde im Gemeinderat abgeschmettert.

 

Als Demokrat habe ich kein Problem mit der Entscheidung. Wenn es nicht sein soll, soll es eben nicht sein! Schön wäre vielleicht eine Begründung gewesen, also etwa, "Photovoltaik ist doch gar nicht soooooooo nachhaltig! Weil, in ein paar Millionen Jahren, da wird sich die Sonne eh zu einem Roten Riesen aufblähen und dann können die mit ihren PV-Anlagen brunzen gehen", oder vielleicht, "dann kommen bei uns gar keine Gäste mehr." Oder: "Wir schließen uns in Oetz der EU an, die gerade die Atomlobby wieder aufrichtet. Das erachten wir als sinnvoller als etwas Nachhaltiges". Oder: "Dann haben wir innerhalb eines Jahres keine einzige freie Fläche mehr in Oetz weil jeder eine Anlage baut." So etwas in diese Richtung halt. Mit dem hätte man gut leben können. Man hätte gewusst, woran man ist.

 

Aber was passierte? Der Gemeinderat bildete sich nicht selbst eine Meinung, sondern versteckte sich hinter seinem Raumplaner. Und damit ging die Sache aber schon so etwas von daneben, wie man es sich eigentlich gar nicht vorstellen kann. Aber der Reihe nach ...

 

Ich seh`dich nicht, - siehst du mich?

 

Weil die Gemeinde unbedingt den Raumplaner dabei haben wollte (den es, wie wir mittlerweile wissen, freilich niemals gebraucht hätte), zog sich die Sache bereits im Vorfeld enorm in die Länge, fast ein Jahr. Als der Raumplaner dann endlich einen Termin frei hatte, konnte es endlich zur "Begehung" kommen.

 

Also suchte man besagtes Feld in Schlatt auf und unterhielt sich. Die Meinung der Projektwerber: "Günstige Lage, weil der Tiwag-Trafo bereits direkt im Feld steht, und auch, weil die Anlage vom Dorf aus nicht zu sehen wäre!" Meinung des Raumplaners nach einigem Herumdrucken: "Schön und gut, aber das müssen wir uns auch von unten anschauen". Also wieder hinunter ins Tal!

 

Wie zu erwarten, war das Feld dann vom Dorf aus tatsächlich nicht zu sehen! Genau! Für mich, aber gut ich bin natürlich ein vollkommener Laie in dieser Sache, war dieser Umstand nicht besonders verwunderlich. Wo doch das Dorf bereits von Schlatt aus nicht gesehen hatte werden können ... Aber gut, lassen wir das ...

 

Als nächstes fuhren wir zum Liftparkplatz, der von Schlatt aus auch nicht erblickt hatte werden können. Und wie war`s von unten? Aha, von unten konnte man Schlatt auch nicht sehen! Sapperlott! Wer hätte sich das gedacht ...

 

Damit gab sich der Raumplaner aber nicht zufrieden. Er schielte verzweifelt nach links und nach rechts und drängte noch darauf, nach Habichen zu fahren. Dort angekommen, stellten wir das Fahrzeug beim Waschtl ab, stiegen aus und blickten erneut erwartungvoll in Richtung Schlatt!

 

Was sahen wir? Wir sahen ein Haus! Also gingen wir weiter nach vorne und zur Seite und dann sahen wir was? Wir sahen einen Strommasten und wir sahen Bäume! Also noch einmal ein wenig zur Seite treten! Dann hatten wir endlich das, wonach der Raumplaner so lange gesucht hatte! Wir hatten zwischen Häusern, Strommasten und Bäumen ein paar wenige Quadratmeter gefunden, auf denen man besagtes Feld erspähen konnte. Winzig klein zwar, aber immerhin.

 

Winzig klein deshalb, weil die Luftlinie zwischen den beiden Standorten immerhin an die drei Kilometer beträgt. Trotzdem war gerade dies ein erhebender Moment für den Raumplaner und er äußerte sich mit sichtlicher Genugtuung Achtung: Wortwörtliches Zitat: "Da haben wir`s!". Auf die Frage, was er damit meine, konterte er: "Tja, das ist eben das Betrogene je weiter weg man ist, desto besser sieht man es." 

 

Physikalisches Gesetz missachtet

 

Nun wissen wir alle: Es stimmt natürlich überhaupt nicht, dass die Größe eines Objekts mit der Entfernung zunimmt. Bekanntlich ist es genau umgekehrt. Sonst würden wir ja um den Mond herum gar keinen Sternenhimmel sehen. Offensichtlich befand sich der Raumplaner an diesem Tag aber in einem derartigen erklärungstechnischen Notstand, dass er sich nicht scheute, selbst physikalische Naturgesetze auf den Kopf zu stellen ...

 


Die Geschichte klingt unglaublich, nicht? Sie klingt irgendwie nach finsterstem Mittelalter. Dabei sind wir in Oetz einiges gewohnt, wie bereits dieses Beispiel dokumentiert.

 

Wie man sieht, hat sich bei uns in den letzten 100 Jahren bezüglich Verarschung der Bevölkerung in Bau- und Widmungssachen wenig bis gar nichts geändert. Nach wie vor wird einfach jemand vorgeschoben. Früher schob der Hotelier den Bürgermeister vor. Heute schiebt der Bürgermeister den Raumplaner vor. Und dann versteckt er sich hinter dessem abgesonderten Schmarren. Traurig, aber wahr.