Kein Gemeinderat ist besser!


Der Weiler Östen in Umhausen hat keinen Gemeinde- rat. Logisch. Ist ja ein Weiler und keine Gemeinde. Und das ist gut. Sehr gut sogar. Denn nicht auszudenken, wenn Östen ein Kommunalparlament im Gnagg hätte. Etwa so eines wie in Ötz. Dann wäre auch dieser schöne und historische Name sicherlich bereits verunstaltet. Und auf dem Schild würde dann "Oesten" stehen. Anschließend würde der (Öster) Bürgermeister noch vor die Presse treten und Schwachsinn absondern.

 

Alles frei erfunden? Nein! Alles schon da gewesen und zwar gar nicht weit von Östen entfernt.

 

Stumpfsinn beschließen und Topfen reden!

 

2014 hat unser werter Gemeinderat beschlossen, dass aus "Ötz" von Amts wegen "Oetz" werden sollte. Blöder geht`s nimmer möchte man meinen. Doch: Es geht! Denn danach stellte sich unser Bürgermeister auch noch vor die Presse und erzählte einen sensationellen Topfen!

 

Die dazugehörigen TT-Ausschnitte:

 

 

 

 

Wie schon in der Oberländer Rundschau (hier nachzulesen), meinte unser Dorfober- haupt also, man habe "Namensforschung betrieben" und unser Ortsname ginge wörtliches Zitat auf "o-etzen" zurück.

 

 

Dazu Folgendes:

 

1.) Vor 30 Jahren wurde unter Vorvorgänger Walter Gritsch überhaupt keine Namensforschung betrieben.

 

2.) Wäre eine Namensforschung betrieben worden, wäre man nicht auf so einen Schwachsinn wie mit Oetz gestoßen (hier ist die Erklärung des Irrtums nachzulesen).

 

3.) Der Name unserer Gemeinde kann, historisch betrachtet, nicht von "o-etzen" kommen! Ötz wird als „Etze“ oder "Etz" (nur in der lateinischen (!) Version "Ez" geschrieben) urkundlich erwähnt.

 

Sprachgeschichtlich wurde (im Rahmen der Labialisierung) aus diesem "E" ein "Ö", aus dem "Etze" das "Ötz". Das ist ganz gleich wie bei "Seldon". Daraus wurde "Sölden". In beiden Fällen mutierte das "E/e" zum "Ö/ö".

 

 

 

Was hat Falkner (Bürgerliste) noch erzählt?

 

 

Dazu Folgendes:

 

4.) Ötz wurde von "alters her" niemals als "Oetz" geschrieben! Das heißt, lediglich kurzzeitig gedruckt und zwar, als in Druckwerkstätten oder bei Schreibmaschinen der Großbuchstabe "Ö" fehlte! (Kleine "ö" gab es. Dies hängt damit zusammen, dass die Metallletter einen Rand für das zeilengenaue Zusammensetzen im Setzkasten hatten, und die Punktelen des großen "Ö" über diesen Rand hinausgegangen wären. Auf gut Deutsch wäre das große "Ö" zu groß gewesen.)

 

Falls handschriftlich irgendwo "Oetz" stand, war dies dem (falschen) Abschreiben von Druckwerken oder einer Fehlinterpretation der ab dem 16. Jahrhundert gängigen Schreibweise "Oͤ tz" geschuldet. Damals war das kleine "e" noch nicht komplett auf den Buchstaben "O" gewandert, sondern stand schräg oberhalb wie auch unsere Kirchenmatriken beweisen (hier nachzulesen). "Oͤ " ist ganz klar als ein "Ö" anzusehen und keinesfalls als "Oe". Derselbe Vorgang ist nämlich auch bei den Worten "Österreich" und "Ötztal" nachzuvollziehen. Auch dort schreibt man, außer beim Kreuzworträtsel, nicht "Oesterreich" oder "Oetztal". Das wäre arg befremdlich. Eine Zeitlang war aber auch bei ihnen das kleine "e" seitlich neben dem "O" gestanden.

 

5.) Dass "Oetz" im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet werden würde, ist der größte Topfen überhaupt! Kein Mensch sagt "O-etz"! Wie soll denn diese Aussprache funktionieren? Im Gegenteil: Wir sind bei der uralt-Sprechweise stehen geblieben! Jede(r) sagt, "I kimm vo Etz!". So wie die Mittel- und Hintertaler heute immer noch "Etze" sagen. Sie sagen, "I fåhr aff Etze". Wohl deshalb ist das Ötz(!)talerische auch über einen so lange Zeit unverändert erhalten geblieben.

 

Anderes Beispiel: Wie sagen wir, wenn eine Familie bei uns aus Sölden kommt? Dann sagen wir, das sind die Selders! Da gibt es dann den Selders Franzl, ´s Selders Guschtele  usw usf.. Oder man sagt, wir fahren nach "Selden". Mit Sicherheit sagt kein Mensch, wir fahren nach So-elden. Wir "hacken" bei unseren Ortsnamen niemals Buchstaben ab, wie uns dies unser Bürgermeister bei "o-etzen" weismachen will. Bei "o-etzen" (abäsen) "hackt" man eindeutig ab, dort schon. Nach Falkners Logik würde man dies bei "O-etz" auch tun und deshalb ist "Oetz" durch und durch falsch. Man kann es drehen und wenden, wie man will.

 

Noch einmal: Aus Selden oder Seldon (1150 urkundlich erwähnt) wurde Sölden. Und aus Etze oder Ez wurde Ötz. Deshalb kann sprachgeschichtlich niemals ein Soelden oder Oetz drauswerden!

 

Außer, irgendein Gemeinderat pfutscht am Namen herumt. Dann, und nur dann kann ein pervertiertes "Oetz" im "Ötztal" entstehen! Womit wir bei der traurigen Erkenntnis angelangt sind: Kein Gemeinderat wäre in diesem Fall besser und damit wären auch wieder beim Ausgangspunkt, bei Östen, angelangt.

 

 

Offener Brief an unseren Bürgermeister:

 

 

Werter Ötzer Bürgermeister, lieber Hansjörg!

Fehler passieren. Und zwar ausnahmslos jedem. Deshalb ist es auch kein Problem, wenn einmal etwas daneben geht. Weißt du aber, was ein Problem ist? Wenn man auf den Irrtum aufmerksam gemacht wird und dann reagiert man nicht. Deshalb fordere ich dich hiermit auch auf, Manns genug zu sein und Stellung zu diesem Thema zu beziehen.

 

Wenn du also Bürgermeister unserer Gemeinde sein willst, dann erwarte ich von dir, dass du dich mit einer Sache, die unseren Ort betrifft, nämlich der Namensgebung, ernsthaft auseinander setzt. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, du hättest dies vor der Abstimmung zur Umbenennung von "Ötz" in "Oetz" getan, für mich ist das Schnee von gestern. Ich fordere dich aber wie gesagt auf, aktuell Stellung zu beziehen!

 

Meine Fragen dazu: Woher hattest du die Informationen, dein Vorvorgänger hätte Namensforschung betrieben? Wenn es solche Bestrebungen gegeben hat, was waren die Erkenntnisse dieser Nachforschungen? Und: Was sagst du zu den von dynamoetz betriebenen Nachforschungen, die das genaue Gegenteil zeigen?

 

Weiters: Sollte sich herausstellen, dass weder vor 30 Jahren Nachforschungen angestellt worden sind, noch der Sprachgebrauch auf die Schreibweise "Oetz" hindeutet, könntest du dir vorstellen, den Irrtum der Namensänderung rückgängig zu machen?

 

Mit dem besten Dank im Voraus für eine Antwort,

- keine Antwort würde ich als Schwäche und Desinteresse der Gemeinde gegenüber interpretieren - , und mit freundlichem Gruß,

 

Gemeindebürger Bernhard Stecher

 

Ps. Brief im selben Wortlaut erging heute auch per Mail an buergermeister@oetz.tirol.gv.at.

 

(01.02.2016)