Faktenlage: Zählen wir einmal gemeinsam bis vier. Oder bis fünf. Denn ebenso viele Investorenmodellprojekte gibt es aktuell in Ötz. Also: Eins (= Grüner) zwei
(= Apartpandora)
drei (= temtam Immobiliengesellschaft) vier (= Santer Solarprofi) fünf ("Liechtensteiner", mehr darüber demnächst).

Martin Neururer berichtet diesmal über das Projekt Nr. 3, mit dem eine historische Chance vertan wurde, den alten Ötzer Dorfplatz zu erhalten. Ein Beleg dafür, dass bei uns Investorengier und Nächtigungszahlen mehr zählen als alles andere. Leider.


Wie zuletzt immer bei uns: Einfach ohne nachzudenken!

Wie es anders gehen kann hat dieses Beispiel gezeigt.

 

Rückblende: Vor rund zehn Jahren hat es bei uns in Ötz eine Diskussion darüber gegeben, ob das Coelli-Haus einem Neubau weichen sollte, oder eben nicht. Bgm. Falkner, im Brotberuf Bautechniker, hatte sich vehement für einen Abriss des historischen Gebäudes ausgesprochen ("Das Gebäude ist nicht zu retten") — Teile der Bevölkerung waren hingegen anderer Meinung.

 

Letztlich wurde das Gebäude saniert, stellt heute ein Schmuckstück dar und beherbergt neben einem Archiv für das Turmmuseum auch Wohnraum (Architektenwettbewerb hier nachzulesen):

 

 

Nun möchte man meinen, so etwas sei vorbildhaft. Würde sich sogar unser Dorfchef merken. Aber, nein! Denn statt das einzigartige Ensemble rund um den Kassls Brunnen zu schützen, schaut es dort jetzt so aus:

 

 

Wieder eine vertanene Chance, Ötz nicht zu einem 08/15-Ort werden zu lassen! Was wären das für Perspektiven gewesen! Man hätte hier, am historischen Platz, an dem einst die Postkutschen vorgefahren sind, am einstigen Dorfplatz, dem bis vor wenigen Wochen einzig erhaltenen im gesamten Tal, eine Besonderheit entstehen lassen können. Man hätte Ensembleschutz betreiben, den Platz mit Kopfsteinpflasterung und einigem Anderen aufwerten können. Im nun abgerissenen Haus hätte man unten einen Laden oder ein kleines Lokal unterbringen können und oben zwei Wohnungen. Und damit den Ortskern beleben, statt jeweils in die grüne Wiese zu erweitern. Etwas, was andernorts eine Selbstverständlichkeit ist, gerade, wenn man sich das Beispiel Silz anschaut, wo in vorbildlicher Art und Weise alte Bausubstanz im Ortskern erneuert wird. Aber, nein, so etwas zählt in Zeiten wie diesen in Ötz leider überhaupt nichts.

 

Statt einem einzigartigen Ortsbild brauchen wir Investoren! Die werden uns nämlich in eine glorreiche Zukunft führen! Daher reißen wir alles Alte bedingungslos nieder, nur damit die Nächtigungsstatistiken vielleicht wieder besser werden. Verarmtes Ötz! Die Seele geht verloren, stattdessen erheben sich nun an allen Ecken und Enden die klotzigen Bauten der Neureichen:

 

Foto: Facebook
Foto: Facebook

 

(best/mane, 25.06.2019)

 

Die schauderlichen Details, die Dokumentation der Gier, hier in der Langversion. Dass die Gemeinde keinen Einfluss auf eine Nutzung hat, lassen wir von Lebenswertes Ötz als Ausrede natürlich übrigens nicht gelten. Spätestens, seit am Örlachweg 6.000 Quadratmeter Wohngebiet zu Zwecken des Spekulatentums umgewidmet worden sind. Die bauliche Ähnlichkeit zum dortigen Investorenmodell ist beim neuen übrigens bezeichnenderweise frappant. Und hier sind die Fakten dazu:

 

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