Faktenlage zum Artikel auf dieser Seite: Mit der Ankündigung der Projektwerber von Feldring/Schafjoch, einen Dialogprozess starten zu wollen, hat sich in Ötz Historisches getan. Erstmals soll seit Jahrzehnten offen miteinander diskutiert werden. Das ist erfreulich. Ein paar Gedanken dazu und eine Einbettung in die Geschichte des Ortes.


Gute sowie weniger gute Ideen – und der Umgang damit


Bei dieser Thematik es geht jedem Menschen gleich: Einmal hat man eine gute Idee, ein andermal eine weniger gute. Weil jeder Mensch halt einfach auch Fehler macht. Machen muss. Ein Umstand, den Franz Thurner einmal recht treffend so zusammengefasst hat. Der Ötzer Bauunternehmer sagte: "Wenn nur 51 % meiner Entscheidungen richtig sind, bin ich bereits auf der Gewinnerseite."

 

Der Spruch vom Franz hat etwas. Er veranschaulicht, dass niemand immer richtig liegen kann. Wobei es naturgemäß stets diejenigen leichter haben, die ihre Fehler im stillen Kämmerchen machen. Für Menschen in der Öffentlichkeit ist es ungleich schwerer. Sie stehen unter Beobachtung und deren Lapsus fallen natürlich mehr auf. Mit den guten und weniger guten Ideen hat es aber auch noch etwas anderes auf sich. Und zwar gesellt sich hier der Zeitfaktor dazu. Eine Idee kann im Moment gut sein, sich aber später als Irrtum herausstellen. Oder umgekehrt.

 

Ein gutes Beispiel dafür gab es vor rund 90 Jahren rund um den Piburger See: Der hätte damals doch glatt zu einem Kraftwerk umgebaut werden sollen! Das Wasser wäre von der Ache bei Tumpen herübergeleitet worden, Druckrohre zum Talboden herunter gebaut und dort in einem Kraftwerkshaus elektrische Energie erzeugt worden. Eine gute Idee aus Sicht der damaligen Projektwerber! Eine schlechte aus unserer heutigen Betrachtungsweise, vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass unser vielseits geliebtes und bewundertes Naturjuwel heute ein verschlammtes, künstlich an beiden Seiten aufgestautes Industriebauwerk sein könnte. Einmal ehrlich: Gibt es nur eine(n) in Ötz, der dies möchte? Wohl nicht. Aus heutiger Sicht sind wir wohl alle mehr als nur froh, dass damals ein paar mutige Menschen aufgestanden sind, ihre Stimme gegen den drohenden Wahnsinn erhoben haben, und es auch in Kauf genommen haben, sich von den "Machern" des geplanten Projekts einiges anzuhören. Galten sie doch als "Verhinderer des Fortschritts", als solche, die "selbst nicht richtig arbeiten" müssten. Und das alles wegen "ein paar Bootsfahrern" ...

 

Postkarte aus dem Ende des 19. Jhdts. Foto: Archiv Bernhard Stecher

 

Die Moral der Geschichte

 

Insgsamt stand der Piburger See sogar dreimal im Visier von Kraftwerks-Begehrlichkeiten. Das letzte Mal 1924. Damals hätte eine elektrische Schmalspurbahn von Ötztal-Bahnhof über Sautens nach Ötz gebaut werden sollen. Von dort hätte eine kurze Schwebebahn zum See geführt. Dr. Meinhard von Pfaundler vereitelte jedoch mit großem Einsatz die Pläne zur Energiegewinnung. Dem Universitätsprofessor gelang 1929 die Deklaration zum Naturdenkmal, 1983 wurde der See zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

 

Was uns die Piburger See-Geschichte lehrt? Eines mit Sicherheit: Pro oder contra-Entscheidungen sollten immer auch aus dem Blickwinkel einer künftigen Rückschau betrachtet werden. Will heißen, wir sind auch aufgerufen, uns zu fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit sein wird, dass die Richtigkeit einer Entscheidung auch in 100 Jahren bestätigt wird. Konkret umgelegt auf den See heißt die Frage: War es aus heutiger Sicht richtig, das Kraftwerk nicht zu bauen oder war es falsch?

 

Ist also davon auszugehen, ob die Tendenz für oder gegen ein Projekt spricht. Diese Frage hätte man sich auch stellen sollen, wenn über ein Projekt diskutiert worden wäre, das gerade einmal zwei Bergkämme weiter östlich des Piburger Sees angesiedelt wäre und ein Gebiet betrifft, das ebenfalls zu den Naturschönheiten zählt. Die Rede ist, wie unschwer zu erkennen, von den Feldringer Böden und dem Schafjoch. Und die Fragen dazu lauten: Ist davon auszugehen, dass die Bedeutung und die positiven Rahmenbedingungen des Wintersportes im kommenden Jahrhundert eher zu- oder eher abnehmen werden? Außerdem: Wird die Wichtigkeit von derzeit noch weitgehend unberührten Naturlandschaften als Ausgleich zu einer immer mehr technisierter werdenden und immer mehr zugepflasterten Umwelt eher zu- oder eher abnehmen?

 

Wir sind allesamt keine Hellseher. Aber das waren die "Naturschützer" vor fast einem Jahrhundert beim Piburger See auch nicht. Ihre Bauchgefühl-Einschätzung  war allerdings, wie wir heute wissen, ein Volltreffer. Mit der natürlich auch Franz Thurner seine Freude hat, wenn er am See seine wohlverdiente Ruhe genießt. Dort, wo er in den 1980er Jahren die Badeanstalt gebaut hat und dabei als Unterbau für die Schalung das im strengen Winter dick vorhandene Natureis verwendet hat.

 

Und wie schaut es aktuell beim Projekt Feldring/Schafjoch aus? Formulieren wir es wertneutral: Hier sind die Meinungen derzeit noch geteilt. Das Bauchgefühl sagt jedoch vielen, dass es kein gutes Vorhaben sei. Man wird sehen, wie es weitergehen wird. Die Projektwerber haben jetzt jedenfalls einmal einen Dialogprozess versprochen. Lobenswert!

 

Spät aber doch

 

Spät, aber doch soll jetzt also auch bei uns offen über das Thema Feldring/Schafjoch oder über Alternativlösungen gesprochen werden. Das ist erfreulich! Und genau das, was der Autor dieser Zeilen seit vielen Jahren angeregt hat. Nämlich, dass man sich bei wichtigen Vorhaben in Ötz mit der Bevölkerung zusammenreden sollte. Jetzt wird das ins Auge gefasst. Bisher hat eine "Diskussion" immer nur einseitig stattgefunden. Nicht über den Weg der Argumentation. Es gab nur eine entschlossene Ankündigung eines Projektes und alles, was blieb, war ein Dagegenhalten. Ein Dagegenschießen. Ein Dagegenwettern. Das war sehr schade. Und hätte leicht anders laufen können.

 

Zwei Beispiele zum Nachlesen:

 

* Die "Kunsteisanlage"

 

* Der "Kunstrasenplatz"

 

Diese beiden Projekte wurden Gott sei Dank nicht verwirklicht. Heute sind wir wohl sehr froh darüber. Denn so können die beiden "angedrohten" Ideen unter jene 49 % eingereiht werden, die laut der Thurner´schen Theorie sogar verworfen werden müssen, damit 51 % richtige übrig bleiben, was auf gut Deutsch soviel heißt wie: Jede zweite Idee, die wir haben, ist ein Schmarrn, muss ein Schmarrn sein. Bei der "Kunsteisanlage" und beim "Kunstrasenplatz" haben wir uns analog zum Piburger See-Kraftwerk – , so manches "Eigentor" erspart, wie gerade die jüngste Diskussion beweist ...

 

 

***

 

Wir von Lebenswertes Ötz glauben, dass es grundsätzlich gut ist, wenn viele Ideen in alle möglichen Richtungen auftauchen. Danach gehören diese bei wichtigen Themen aber auf den Tisch gelegt und breit sowie vernünftig diskutiert! Die Vorschläge gehören bei einem solchen Dialog von allen Seiten beleuchtet und die Vor- und Nachteile sorgfältig gegenübergestellt. Neben dem Mitnehmen der Bevölkerung erhöht sich dadurch auch die Wahrscheinlichkeit, unter die 51 % der richtigen Entscheidungen zu fallen. Zumindest diese Erkenntnis sollte aus dem bisherigen Ringen um das Projekt Feldring/Schafjoch übrig beiben. Dr. Gerd Estermann hat es diesbezüglich treffend formuliert: "Wir hätten uns alle viel erspart, wenn der Dialog ein Jahr früher begonnen hätte."

 

Auch in Ötz auch bei einigen anderen Sachen einiges an Ärger und Aufregung erspart. Das Zauberwort hätte nur Kommunikation heißen brauchen (siehe Kommentar unten). Die Geschehnisse aus der Vergangenheit sollen jetzt aber vergessen sein: Wir von unserer Seite haben spätestens mit 1. April "abgerüstet" und freuen uns derart alle auf einen künftigen regen Gedankenaustausch. Schließlich und endlich will jede(r) nur das Beste für die eigene Heimatgemeinde und die Zukunft unserer Nachkommen. Und über die Art und Weise kann man ja ruhig miteinander reden. Das ist eigentlich nur das Normalste der Welt und wird uns in Zukunft auch weiter bringen.

 

(best, 07.04.2019)


Alles nur eine Frage der Kommunikation

Ötz soll 3.000 neue Gästebetten erhalten. Auch schon gehört?

 

Die Aussage von den 3.000 Gästebetten kam zur schlechtesten Zeit: Die emotionale Diskussion um das neue Schigebiet Feldring/Schafjoch hatte gerade Fahrt aufgenommen, die Aufregung um das gerade im Entstehen begriffene Investorenmodell war bereits groß und dann auch das noch. 3.000 neue Gästebetten! Und um den Verkehr kümmern wir uns "später". Da passte eines gut zum andern. Da stand das ganze Dorf irgendwie kurz vor der Explosion.

 

Dabei war es nicht ganz so, wie es auf den ersten Blick ausgesehen hat. Der ganze Sachverhalt ist nämlich, zumindest teilweise, nur auf eine schlechte Kommunikation zurückzuführen. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Bei den 3.000 Gästebetten handelt es sich nicht um neue, sondern um die Gesamtzahl! Richtig hätte die Botschaft daher lauten müssen: "Die Bettenanzahl soll nicht um, sondern auf 3.000 erhöht werden." Ein kleiner Unterschied, der in der Wahrnehmung der Bevölkerung aber natürlich viel ausmacht.

 

Nun passieren beim Kommunizieren immer wieder Fehler. Man verredet sich, oder der andere versteht etwas anders, als es gesagt wurde oder gemeint war. Das passiert halt einfach und ist auch nicht das große Thema.

 

Zum Problem werden diese Missverständnisse aber, wenn sie nicht richtiggestellt werden. Insofern wären die Ötzer Verantwortlichen auch in der Pflicht gestanden, diesen Satz mit den 3.000 Gästebetten öffentlich ins rechte Licht zu rücken. Dabei wäre sicherlich niemanden eine Perle aus der Krone gefallen. Die Bevölkerung wäre erleichtert gewesen und einiger Druck abgefallen.

 

Dies nur als Anregung für die Zukunft, die man vielleicht bei einem anderen aktuellen Thema gleich in die Tat umsetzen könnte. Sagt, wie wäre es eigentlich, wenn man die Bevölkerung auch bei der "Kreisverkehrsgestaltung" mitdenken ließe? Was würden wir uns dabei vergeben? Man könnte doch die Ötzerinnen und Ötzer einladen, auch ihre Gedanken mitzuteilen. Man könnte KünstlerInnen oder Architekten einladen, Vorschläge abzugeben. Man könnte sogar die Schulen einbinden und einen Wettbewerb für "Nachwuchsdesigner" ausschreiben. All das würde, weil man sich mit der Thematik "Acherkogel" beschäftigt, den Kreisverkehr dann auch zu "unserem" machen. So herrscht derzeit wieder nur das Gefühl, dass alles im stillen Kämmerchen ausgeschnapst wurde.

 

(best, 07.03.2019)