Nachhaltig

 

Jack Falkner lungert mehr oder weniger nur herum. Eine Idee hat der Sölder Seilbahner höchst selten. Praktisch nur alle paar Jahre. Deshalb ist es auch schon wieder geraume Zeit her, als er die Lösung für das Ötztaler Verkehrsproblem ersann: Diese sah vor, die Ötztaler- und Pitztaler Gletscher zusammenzuschließen, Bergköpfe abzusprengen und einen naturnahen, zum Schutz der Amphibien asphaltierten, Speicherteich zu bauen. Die zu erwartenden Gästeeinbußen von 15 % entschärfen den verkehrstechnischen Notstand schon einmal ganz wesentlich. Falkner hat auch die neue Mobilitätsstudie ("Wenn man die Touristen ausklammert, machen eindeutig die Einheimischen den Verkehr!") nicht mitgesponsert. Ob wiederum aus Bequemlichkeit, oder einfach, um Objektivität in die Sache zu bringen, konnte nicht eruiert werden.

 

Wenn jetzt noch, wie von einem anderen Sölder Unternehmer, dem führenden FPÖ-Kopf im Bezirk (Johann "Giovanni" Grüner), angeregt, der Restverkehr einfach über das Pitztal umgeleitet wird, hat sich das Problem erübrigt!

 

Und das Pitztal hat auch was davon. Ist eh so wenig los auf dessen breiten, und im Gegensatz zum Ötztal durchwegs geradeaus führenden Straßen. Entwicklungshilfe der besonderen Art! Mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe! Denn plötzlich macht auch die "Landesmillion" Sinn: Mit diesem Geld können im Pitztal endlich die Hecken, Zäune und sonstigen Barrikaden neben den Straßen entfernt werden. Sonst meinen die neuen Gäste zum Schluss noch, sie seien nicht richtig willkommen. Man hätte gar etwas gegen sie ...

 

Sodann brauchen wir im Ötztal ganz einfach nur in Jack & Giovannis Stoßrichtung weiterzuarbeiten. Da lässt sich noch einiges anstellen. Braucht´s nur weitere gute Ideen. Und dann sieht´s auf unseren Straßen sicher bald wieder einmal genau so aus wie in den 1950ern. Folglich müssen die Oldtimer-Fahrer auch nicht mehr extra die Ötzer Hauptstraße beleben, wenn die einmal sinnloserweise für den Verkehr gesperrt wird.

 

Wohl deshalb hat Falkner unlängst in einem Fernsehinterview charmant darauf hingewiesen, dass der Gletscherzusammenschluss nicht nur von der gesamten Bevölkerung beider Täler herbeigesehnt wird, ja geradezu -gebettelt, sondern dass dieser auch nachhaltig ist. Sollte es bisher jemand noch nicht gewusst haben.

 

Was das Ganze jetzt mit Ötz oder dem Beirat Zukunft zu tun hat? Nun, auch dort hat man sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Leider haben im Vorderötztal aber nicht alle geschnallt, was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Damit ist es in Ötz wie es in Sölden nicht ist: Zwei reden vom Gleichen, aber noch lange nicht vom Selben.  Gottseidank gibt es in diesem Ort aber Menschen in entscheidenden Positionen mit wirklich gesegnetem Hausverstand. Sie sind in der Lage, Anregungen (kursiv) innerhalb von wenigen Momenten zielsicher einzuschätzen und mit handfesten und logisch durchdachten Argumenten (fett) zu entkräften. Weil das soll man ja mit Anregungen tun. Nicht dankbar annhemen, darüber in aller Ruhe nachdenken, sondern sich dagegen wehren. Ausschnitte aus der jüngsten Sitzung des Beirates Zukunft:

 

 

[Wer es bisher noch nicht gemerkt hat, bis hierher hat es sich um Satire gehandelt. Was jetzt folgt, ist allerdings pure Realsatire]

 

 

"Eine Naturparkerweiterung zwischen den intensiv genutzten touristischen Räumen Hochötz-Kühtai im Mitter- und Wörgetal?" - "Na, lieber nit, da könnten zu viele Gäste kommen!" "Für uns ist besonders der Sommertourismus wichtig, dann können wir die Angestellten ganzjährig beschäftigen."

 

"Photovoltaikanlagen auf den Lift-Dächern?" - "Mmmmmh, ist das schon sinnvoll, weil sich das Elektroauto vielleicht doch nicht durchsetzen wird? Und wie erkläre ich dies meiner Tochter?" "Den Speicherteich im Längental brauchen wir aber notwendigst! Der speichert nämlich Photovoltaikstrom und das ist gerade in Zeiten wie diesen, in denen sehr viel Photovoltaikstrom produziert wird, sehr, sehr wichtig!"

 

"Ein begrüntes Parkhaus statt jedes Jahr mehr Landschaftsverbrauch für neue Stellflächen?" - "Dafür haben wir leider kein Geld. Das brauchen wir dringend für wichtigere Vorhaben." "Das Wichtigste ist für uns der Liftzusammenschluss. Der muss kommen." (Dann kommen auch mehr Besucher und damit hat sich das Parkplatzproblem endgültig von alleine gelöst.)

 

"Einen Grundsatzbeschluss im Beirat herbeiführen, in welche Richtung man gehen will!?" - "Aber geh, für einen Grundsatzbeschluss des Beirates ist der Beirat doch wirklich nicht das richtige Gremium."

 

 

Solch schlagkräftigen Argumenten ist nichts, aber auch wirklich gar nichts, hinzuzufügen. Und das ist dann sicher auch irgendwie nachhaltig?

 

 

***

 

"Die Lage des Hotels ist perfekt. Mitten in der Stadt."

(Booking.com-Bewertung eines Sölden-Gastes)

 
[Und die Straßen zu dieser Stadt hin sind jeweils nur kleine, verträumte Wegelen, auf denen praktisch nur ein paar Einheimische unterwegs sind. Einfach nur SPITZE! Kann man mit ruhigem Gewissen weiter empfehlen.]

 

 

(best, 05.07.2019)