Beirat Zukunft weiter positiv – aber auch mit Fragwürdigem


Die zweite Zusammenkunft des Beirats Zukunft im Silzer Jugendheim war wiederum von einer hohen Diskussionskultur geprägt. Diesmal ging es um die beiden Themen Tourismus und Verkehr. Gerade Zweiteres war natürlich für Ötz von besonderer Brisanz und brachte das Zusammentreffen mit einem alten Bekannten, nämlich mit Christian Molzer. Mit dem Chef der Verkehrsabteilung des Landes Tirol ist an dieser Stelle bereits Anfang 2015 ein Interview geführt worden (hier nachzulesen).

 

Molzer berichtete über die aktuellen Verkehrszahlen, die sich seit dem damaligen Interview erneut um 10 % erhöht haben. Zum Vergleich: dynamoetz hatte Ende 2014 eine Hochrechnung veröffentlicht, die eine durchschnittliche Belastung von 14.127 Fahrzeugen/Tag für das Jahr 2018 vorausgesagt hat. Geworden sind es 14.192. Die Rechnung stimmte also auf 70 Fahrzeuge/d genau.

 

Schaut man sich die Zunahme des Verkehrs seit 2006 (damals 11.068/d) an, so ist dieser Wert alle vier Jahre um 1.000 übertroffen worden. Molzer sagt, diese Entwicklung (+ ~2% pro Jahr) werde so weiter gehen, weshalb Ötz im Jahr 2025 mit einer täglichen Belastung von 16.000 Fahrzeugen rechnen muss. Dies entspräche genau dem Maximalwert/d aus dem Jahr 2005, in dem es bereits zu Anreise- und Abreisetagen Staus gegeben hat (vgl. Anm. Presse hier). Mit anderen Worten: In sechs Jahren haben wir tagtäglich also auch unter der Woche stehenden oder sehr zäh fließenden Verkehr. An den Wochenenden geht dann schon lange nichts mehr. Wie erstrebenswert dieses Horrorszenario ist, kann sich jede(r) selbst ausrechnen. Schnellstmöglicher Anrainerschutz scheint also das Gebot der Stunde.

 

Lebenswertes Ötz hat bei der gestrigen Veranstaltung darauf hingewiesen, dass ein möglicher Gletscherzusammenschluss Ötztal-Pitztal (+ 15 % an Gästen lt. Projektwerber), ein möglicher Tschirganttunnel sowie vor allem der Bau des Kraftwerkes Kühtai III die Situation zusätzlich dramatisch verschlechtern wird. Gerade Anrainer der Kühtaierstraße, welche Ende der 1970er Jahre die erste Kühtaier Baustufe miterlebt haben, können ein traurig-schauriges Lied davon singen. Somit ist eigentlich höchste Alarmbereitschaft gegeben!

 

Bürgermeister Hansjörg Falkner versprach, nach dem Beirat über den Liftzusammenschluss nun endlich auch einen Bürgerbeteiligungsprozess in Sachen Verkehr ins Leben rufen zu wollen. Dies ist bekanntlich eine lange anhaltende Forderung unserer Initiative (aktuell hier nachzulesen; langfristig hier nachzulesen).

 

Der Dialog in Sachen Verkehr soll im Herbst beginnen. Dies ist insofern verwunderlich, weil damit unser Bürgermeister innerhalb weniger Monate doch glatt eine Kehrwende um exakt 180° eingelegt hat. Hatte er doch damals vor laufender Kamera erklärt: "Ötz hat kein Verkehrsproblem!"

 

Was war aus Ötzer Sicht noch interessant?

 

In Sachen Investorenprojekte meinte unser Gemeindeoberhaupt zu unserer aller Verwunderung, es gäbe in Ötz "nur eines".

 

Falkner vertritt damit eine ganz andere Auffassung wie diese Seite, auf der hier Nr. 1 (bereits gebaut), hier Nr. 2 (bereits gebaut), bald hier Nr. 3 (bereits in Bau) und hier Nr. 4 (bereits im Gemeinderat besprochen) präsentiert wurden oder werden.

 

Der Ötzer Bürgermeister meinte weiter kryptisch, es gäbe "aber ein zusätzliches Investorenprojekt, von dem allerdings gar niemand wüsste, dass es ein Investorenprojekt ist."

 

Damit wären es laut Falkner´scher Rechnung also doch zumindest zwei und nicht nur eines ...

 

Hat Hansjörg Falkner mit dem seiner Meinung nach möglichen zweiten Investorenmodell das Nature Resort gemeint? Jenes Chaletdorf, das hier (in der Mitte des Artikels) ebenfalls bereits schon lange thematisiert wurde? Oder gibt es gar noch ein anderes, eines, das er uns verheimlicht?

 

Jedenfalls setzt sich Bgm. Falkner mit seiner Aussage ("Es gibt in Ötz nur ein Investorenmodell") bewusst oder unbewusst dem Vorwurf aus, über die Vorgänge in seinem Heimatort nicht recht auf dem Laufenden zu sein, oder, anders formuliert, entweder nicht Bescheid wissen zu wollen bzw. Falschinformationen zu streuen. Weil es eben mit Sicherheit mehrere Projekte gibt. Wird Falkner auch bei dieser Kalkulation bald einmal den Rückwärtsgang einlegen und Gegenteiliges behaupten?

 

Wie geht es weiter?

 

In der kommenden Sitzung am 2. Juli werden Gerd Estermann und Bernhard Stecher Ideen zu einer möglichen Ökoregion Hochötz-Kühtai vorstellen. Dieser Termin wird von vielen Teilnehmern mit Spannung erwartet, nachdem diesmal durch die beiden externen Experten naturgemäß viele Zahlen und Fakten auf den Tisch gelegt wurden. Damit könnte nach der doch eher theoretischen Sitzung von gestern alles wieder in Richtung Praxisorientiertheit kippen.

 

Fazit: Diesmal war die Veranstaltung zu Ötz-lastig. Grundsätzlich wird es im Forum aber nun von Mal zu Mal interessanter werden, weil langsam Tacheles geredet werden muss.  Selbst wenn Bgm. Falkner diesmal mit dem Satz aufhorchen hat lassen, Feldring/Schafjoch sei "schon lange vom Tisch", also nicht nur zurückgezogen, sondern wirklich passé (obwohl er bei der ersten Sitzung Feldring/Schafjoch noch nicht zurückziehen hatte wollte). Allerdings dürften die Vorstellungen aller nur sehr schwer unter einen Hut gebracht werden können. Trotz hoher Diskussionskultur wird es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Reibepunkt geben. Wir werden selbstverständlich weiterhin berichten und uns für die gute Sache einsetzen.

 

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Ps. Zum Thema Tourismus gibt es aus unserer Sicht wenig Berichtenswertes. Das Referat des Tourismusexperten beinhaltete im Wesentlichen lediglich die Präsentation von Zahlenwerk, das durch die Wahl eines beliebigen Zeitraumes zeigen hätte sollen, dass es in den drei Orten Silz, Haiming, Ötz in irgendwelchen Rubriken jeweils Luft nach oben gäbe und andere Gemeinden oder Regionen eben in irgendeiner touristischen Statistik derzeit mehr Prozent einfahren würden. Es kann also getrost unter der Rubrik Trau´ keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast abgetan werden, zumal sie ursprünglich auch für die UVE/UVP der Projektwerber Feldring/Schafjoch erstellt worden war.

 

Lebenswertes Ötz hat aus gegebenen Anlass darauf hingewiesen, dass etwa der Fachkräftemangel, der im Sinken begriffene Tourismusindex, die Gesinnung der Einheimischen (Olympiabewerbung) oder die des Zielpublikums (Friday for Future, Erstarkung der "grünen" Gesinnung in Deutschland und Europa) nicht thematisiert wurden. Ausgeklammert waren auch Hinweise auf die Untauglichkeit jedes Dritten bei der Musterung oder der Tirol Werbung, die selbst davon spricht, dass das reine Schifahren zugunsten von Winterwanderungen etc ebenfalls zurückgedrängt werden würde. Ganz abgesehen von den Auswirkungen des Klimawandels. Auch nicht explizit zu Sprache kamen Themen wie das Privatzimmersterben, die mittlerweile fast gänzlich zu fehlen scheinenden einheimischen Mitarbeiter, die Korrelation Verkehr-Tourismus sowie das Thema der in der Bevölkerung wenig goutierten Investorenmodelle. Kurzum: Es war keine umfassende Gesamtschau, wie man sich dies eigentlich erwarten hätte dürfen.

 

In Bezug auf die Ötzer Verkehrsmisere wurde Falkner übrigens, und damit belassen wir es für heute, auch von einem Sitzungsteilnehmer darauf angesprochen, ob es in dessen Heimatgemeinde schon einmal Überlegungen oder Ideen für eine Umfahrung gegeben habe. Falkes auch in diesem Fall durchaus überraschende Antwort: "Nein!"

 

Aus diesem Grund sei deshalb abschließend an zwei Überlegungen für Umfahrungsvarianten (Tunnel) aus dem Jahr 2015 erinnert, auf die HJ Falkner in seiner Wahlwerbung noch recht trotzig so gekontert hat: "Ötz braucht keine Umfahrung!"

 

Die Zeit wird zeigen, wie lange auch diese, seine, Einschätzung, dass es keine Umfahrung brauche, Bestand haben wird. Unsere beiden Ideen sahen jedenfalls so aus – und man wird wohl bald einmal auf diese zurückkommen. Sozusagen müssen:

 

Idee für einen "Westtunnel" (strichlierte Linie), Länge ca. 3,5 km.

 

Der "Osttunnel", Länge ca. 5 km, von dem es ungefähr in der Mitte (Acherkogelbahn) eine Anbindung mit Parkmöglichkeiten geben könnte, dessen Nordportal aber wohl auf Wunsch der Sautner noch ein wenig talauswärts verlängert werden würde. Und zwar, damit sich auch die bei der Sautner Brücke langsam immer mehr zuspitzende Verkehrssituation entschärfen würde. Das Nordportal könnte dann bei einem möglichen Kreisverkehr an der Sautner Brücke liegen.

 

(best, 14.06.2019) 

 

 

Eine musikalische Empfehlung, passend zu den Themen Verkehr, Tourismus, Investorenmodelle und einigem Anderen (danke für den Tipp!):