Nachhaltigkeit UND Umwelt

Schaut man sich das Ziel des Dialogs Zukunft an (siehe Beitrag vom 16.05.), sticht die Kombination der beiden Begriffe Nachhaltigkeit UND Umweltverträglichkeit ins Auge. Dies vor allem deshalb, weil bereits das Wort Nachhaltigkeit den Umweltgedanken beinhalten würde.

 

Was versteht man eigentlich unter Nachhaltigkeit?

 

Zwei Definitionen:

  • Nachhaltigkeit bedeutet, wirtschaftlichen Erfolg, soziale Verträglichkeit und schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen miteinander zu verknüpfen und damit Zukunftsverantwortung zu übernehmen. (Homepage des Landes Tirol)
  •  Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll. (Wikipedia)

Der Umweltschutz steckt im Begriff Nachhaltigkeit also mindestens zu einem Drittel (Land Tirol) oder sogar viel mehr drinnen (Wikipedia).

 

Was ergibt das für einen Gesamtanteil?

 

Gewichtet man die beiden Schlagworte "Nachhaltigkeit" und "Umweltverträglichkeit" zu je 50 %, einfach weil sie nebeneinanderstehen und damit gleich wichtig sind, so ergibt die nüchterne mathematische Analyse für "die Umwelt" einen Anteil von mindestens 2/3, wahrscheinlich aber sogar von 3/4.

 

Anders formuliert: Die Umwelt ist das zentrale Thema des Dialogs Zukunft! Das ist bemerkenswert und spricht für die Weitsicht der Teilnehmer an diesem Arbeitskreis, die sich ohne Gegenstimme für dieses Motto ausgesprochen haben. Sie haben, obwohl mit einem unterschiedlichen Zugang versehen, erkannt, dass der Umweltschutz DAS zentrale Thema sein muss, wenn man sich mit der Zukunft dieser Region auseinandersetzt. Bravo, kann man da nur sagen! Das ist ein Weitblick, den man, ehrlich gesagt, nicht unbedingt von allen erwartet hätte. Echt lobenswert!

 

(best, 18.06.2019)


Holpriger Start – gutes Ende

Der Auftakt zum Dialogforum Zukunft gestaltete sich, wie zu erwarten, eher holprig. Einige Zeit waren diese am Boden liegenden, unangetasteten Papierstreifen und Schreiber recht symbolträchtig:

 

 

Eingeladene erklärten beim ersten Abtasten, sie würden unter bestimmten Bedingungen das letzte Mal vor Ort gewesen sein, andere erinnerten an gültige Beschlüsse, wiederum andere beharrten auf einen Zusammenschluss der beiden Schigebiete. Trotzdem konnte sich der Beirat auf eine gemeinsame Zieldefinition einigen, welche wie folgt lautet:

 

Eine nachhaltige, naturverträgliche Entwicklung der Region mit oder ohne schitechnische Verbindungen.

 

In der Folge entstand eine angeregte, wertschätzende Diskussion mit einem interessanten Austausch von Argumenten auf hohem Niveau.

 

In der nächsten Zusammenkunft am 13.06. wird es nun um eine Statuserhebung in drei Richtungen gehen: dem Tourismus, dem Verkehr und der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung.

 

Entgegen einigen kritischen Stimmen konnte das Forum auch auf ein Dabeisein der Presse bei der nächsten Zusammenkunft sowie auf eine Mitsprachemöglichkeit der Bevölkerung auf der Homepage www.beirat-zukunft.at übereinkommen (das Forum muss allerdings erst, weil nicht geplant, eingerichtet werden). Allesamt Signale, die insgesamt auf einen weiteren guten Dialogprozess hoffen lassen.

 

Fazit unterm Strich: Die Projektwerber werden zufrieden sein, weil sie die Kritiker im Boot halten konnten, Letztere, weil damit das aus ihrer Sicht unsägliche Projekt Feldring/Schafjoch und natürlich auch Varianten über Wörge-/Mittertal ausgeschlossen scheinen. Das Spiel der Kräfte ist also derzeit im Gleichgewicht. Allerdings kann das fragile Gebilde auch von Mal zu Mal kippen.

 

(best, 16.05.2019)


Gedanken zum Beginn ...

 

(Tiroler Tagezeitung, 10.05.2019)

 

 

Man soll ja nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legen. Schon klar. Vor allem nicht, wenn man vor einem Dialogprozesse steht und etwas über zwei Ecken transportiert wird. Allerdings seien zwei Gedanken schon erlaubt.


1.) Wenn Kassl-Wirt Tobi Haid nicht nur im Zeitungsbericht, sondern auch im Dialogprozess als "Vertreter der jungen Generation" auftreten sollte, werden wir uns erlauben zu fragen, wie er sich in Zeiten der Fridays For Future-Bewegung die Legitimation dazu verschafft hat. Wir werden also wissen wollen, welche meinungsbildenden Prozesse der Hotelier mit den "Jungen" in Ötz angeschoben hat, wie das Stimmungsbild der Ötzer Jugendlichen generell ist und wie viele dementsprechend hinter ihm, respektive seiner präferierten Variante eines möglichen Zusammenschlusses, stehen. 

 

2.) Wenn die beiden Geschäftsführer der Bergbahnen nicht am Dialog teilnehmen, weil sie eh "wissen, was sie wollen", dann dürfte dies auch gleichermaßen für die beiden Betriebsleiter gelten.*

 

Ansonsten alles noch so wie im Beitrag ganz unten beschrieben.

 

 

Es ist genau diese Ignoranz ...

 

(Tiroler Tageszeitung, 09.05.2019)

 

Die Grenzen sind fragil. Genau wie bei einem Schigebietsprojekt ist auch bei einer Diskussion der Grat zwischen Gelingen und Nichtgelingen ein schmaler.

 

In Bezug auf den obigen Artikel ist man geneigt, einen spätrömischen Ausspruch zu bemühen: Si tacuisses, philosophus mansisses.Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.

 

Hätte Franz Hörl diesmal die letzten Worte weggelassen, hätte man ihm recht geben können. Er hätte nur nach "es ist ernstzunehmen, wenn 1.000 Personen dagegen auf die Straße gehen" aufhören müssen. Aber nein, Tirols oberster Seilbahner musste noch die Beifügung, dass man sich "wegen drei oder vier Liftsäulen aufregt" nachschießen. Schade. Und deshalb ist es auch diesmal wie immer: Es ist diese Ignoranz, dieses Dummverkaufen, wie man neue Schigebiete damit durchdrücken will, dass eh keine Pisten, keine Zufahrtsstraßen, keine Speicherteiche, keine Bergrestaurants, keine Parkplätze etc gebaut werden. "Nur drei oder vier Liftstützen", sonst nichts.

 

Uns bestärken derartige Aussagen in unserer Haltung. Wir wissen damit nur umso besser, dass wohl auch das andere Geplausche über "Verhältnis von Eingriff zu Nutzen", "Green Mountain" etc nur Augenauswischerei ist. Deshalb nur umso mehr:

 

 

Die Grundlagen schaffen!

Am 16. Mai startet in Haiming der Dialogprozess in Sachen Skigebietszusammenschluss. Es handelt sich dabei um die Auftaktveranstaltung, der sechs weitere folgen sollen. Geht es nach den Vorstellungen der mit der Leitung beauftragten Kommunikationsfirma, soll ein Ergebnis noch vor Weihnachten vorliegen.

 

In einer Vorbesprechung hat ein Mitarbeiter der Kommunikationsfirma erklärt, es solle "ergebnisoffen" diskutiert werden. Das ist die zweite gute Nachricht. Die erste war jene, dass die Kommunikation überhaupt gesucht wird. Wir von Lebenswertes Ötz gehen daher optimistisch in den Dialogprozess.

 

Optimistisch heißt allerdings nicht blauäugig, denn im selben Gespräch hat der Mitarbeiter der Kommunikationsfirma auch erklärt, dass es in dem neuen Gremium zu keiner Abstimmung kommen würde. Auch das ist nachvollziehbar, denn (politische) Entscheidungen werden bekanntlich auf einer anderen Ebene gefällt. Somit wäre auch diese Nachricht keine schlechte, allerdings die damit verbundene Beifügung. Denn wenn es auch keine Abstimmung im Dialogprozess geben soll, so doch eine Klassifizierung der einzelnen Varianten! Die Kommunikationsfirma glaubt, es würden vielleicht fünf Varianten auf den Tisch gelegt und dann könnten alle Beteiligten mittels eines Punktesystems voten. Vorsicht Falle!, sagt hier der geneigte Beobachter. Denn welches Voting wird bei einer derartigen Vorgangsweise herauskommen? Natürlich jenes Ergebnis, das die Mehrheit der Anwesenden im Hinterkopf hat ...

 

Sollte der Dialogprozess daher fruchtbar sein, so werden die Verantwortlichen zunächst dafür sorgen müssen, dass etwa jene Variante, die bisher auf allen Ebenen mit Bomben und Granaten durchgefallen ist**, sprich Feldring/Schafjoch, nicht zu den Auswahlmöglichkeiten zählt, also ein Ausschlusskriterium darstellen. Die NGO-Vertreter wären sonst beim Voting nämlich nur "Beiwagele", um über die Hintertüre zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Sie wären lediglich Hilfsarbeiter beim Schnüren einer Mogelpackung. Und dafür werden sie sich wohl zu schade sein, zumal sie sich personell ohnehin in der Minderheit befinden.

 

Ehe es also ans Eingemachte geht, werden bei der ersten Sitzung wohl auf Basis des Silzer Gemeinderatsbeschlusses jene Grundlagen festgelegt werden müssen, mit denen in der Folge jeder gut leben kann. Ansonsten könnte der Dialogprozess schneller beendet sein, als vielen lieb ist – und der schale Beigeschmack übrig bleiben, dass einmal mehr mit Tricksen etwas erreicht werden sollte. Der Druck liegt daher bei den Verantwortlichen, welche beweisen werden müssen, dass ihnen mit der bisherigen Ankündigungspolitik eines ehrlichen Dialogprozesses ernst ist.

 

Wir von Lebenswertes Ötz sind optimistisch, dass dies gelingen wird. Außerdem ist für uns die Ausgangslage klar. Wir vertreten das, was wir auch bisher immer vertreten haben. Insofern freuen wir uns auf einen Austauch der Argumente auf Augenhöhe und hoffen auf einen fairen Start des Dialoges.

 

(best, 03.05.2019)

 

Abschließend ein Stimmungsbild mit (Ötzer) Interviews von der Demo in Innsbruck:

 

 

* Es handelt sich hier haargenau um jene beiden Betriebsleiter, die in ihren Gemeinderäten wegen Befangenheit bei einer möglichen späteren GR-Abstimmung nicht mitstimmen dürfen. Sie haben damit im Vorfeld eine Möglichkeit erhalten, sich doch "einzubringen". Eine durchaus leicht zu durchschauende Strategie ...

 

** Mit Ausnahme eines, nennen wir ihn einmal, "erschwindelten" Gemeinderatsbeschlusses in Ötz, für den nicht einmal zehn Minuten Diskussionszeit "verschwendet" wurden.